Traceability-System: Leesys erweitert Angebot - 07/2016

In der Elektronikbranche spielt das Thema Traceability eine immer größer werdende Rolle. Die Möglichkeit zur eindeutigen Identifikation und Rückverfolgung eines jeden beliebigen Bauelements wird von Kunden vorausgesetzt. Denn nur so lassen sich im Mängelfall mögliche Fehlerquellen eingrenzen und gezielte Rückrufaktionen auslösen. Diesen Ansprüchen stellt sich Leesys und erweitert daher sein etabliertes Traceability-System um eine Bauelemente-Traceability.

 

Für die Sicherstellung einer lückenlosen Rückverfolgbarkeit von Produkten, Baugruppen und Bauelementen ist es erforderlich, herstellerspezifische Informationen zu Bauelementen zu erkennen, von den Bauelementgebinden auszulesen und abzulegen. Auf Kundenwunsch werden Bauelemente in der Stammdatenhaltung, auf SAP-Ebene, als Traceability pflichtig deklariert. Die für die Bauelemente-Traceability erforderlichen Informationen werden bereits im Wareneingang erfasst. Um eine Zuordnung der Informationen zum Bauelementgebinde zu ermöglichen, wird jedem Gebinde eine absolut eindeutige Identifikationsnummer, eine Unique-ID, zugewiesen. Leesys verarbeitet rund 2.700 unterschiedliche Elektronik-Bauteile, die von circa 600 Lieferanten weltweit bezogen werden. Das Volumen an verarbeiteten Bauelementgebinden liegt bei rund 350.000 im Jahr.

traceability

Bisher gibt es keinen einheitlichen Kennzeichnungsstandard für die Darstellung von herstellerspezifischen Informationen zu Bauelementen. Genau darin besteht die besondere Herausforderung, sagt Andreas Tärre, der Projektverantwortliche für die Einführung des Systems.

 

Leesys orientiert sich am Traceability-Leitfaden des Zentralverbandes der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) und regt seine Lieferanten an, ihre Bauelementgebinde mit dem dort definierten ZVEI-Materiallabel zu kennzeichnen.

 

Bis sich diese Kennzeichnung allerdings flächendeckend durchgesetzt hat, ist ein flexibles System zwingend notwendig, welches die breite Vielfalt an Kennzeichnungsvarianten sicher erkennen und verarbeiten kann.

 

Um dem gerecht zu werden, hat sich Leesys Modi Optical Solutions als Partner zur Seite genommen. Mit der Investition in einen Wareneingangsscanner Adodat 5000 der Firma Modi legt Leesys die Grundlage für eine durchgängige Traceability-Kette bis auf die Bauelementeebene.

 

Traceability -  der Erfassungsprozess

 

Jedes Bauelementgebinde mit Traceability pflichtigem Material wird mit der Seite, auf der die Herstellerlabel aufgebracht sind, auf eine 400x400mm große Glasscheibe gelegt. Nach dem Start des Erfassungsprozesses erstellt eine Übersichtskamera ein Foto des aufgelegten Bauelementgebinde. Mittels modernster Bildverarbeitungstechnologien wird im nächsten Schritt die exakte Position der auf dem Bauelementgebinde aufgeklebten Label ermittelt. Diese Positionen fährt eine ADOMO Spiegelablenkeinheit an. Die auf die Ablenkeinheit gerichtete Detailkamera kann so ihre volle Auflösung auf das zu lesende Label konzentrieren. Von dem zu lesenden Label wird ebenfalls ein Foto gemacht, das dann einer Strukturerkennung zugeführt wird, die auf dem Label vorhandene Barcodes erkennt und den Dateninhalt der Barcodes ausliest. Der gesamte Vorgang ist in wenigen Sekunden abgeschlossen. Im Nachgang werden die ermittelten Daten der eindeutigen Identifikationsnummer des Bauelementgebindes zugeordnet und gemeinsam mit den Fotos gespeichert.

 

Traceability - Teil des automatischen Materialflusssystems

 

Der gesamte Erfassungsprozess integriert sich nahtlos in den automatisierten Materialfluss von Leesys. Über diverse Schnittstellen, die in Kooperation mit Modi Optical Solutions entwickelt wurden, ist eine Interaktion mit dem Materialflusssystem möglich. Das bedeutet, dass Traceability pflichtige Materialien für die noch keine Daten erfasst wurden, vom Materialflusssystem abgewiesen werden, bis die Datenerfassung lückenlos durchgeführt wurde. Dieser Kontrollmechanismus wirkt bis auf die Automatisierungsebene der Hochregalläger.

 

„Dank der automatisierten Erfassung aller für eine Traceability notwendigen Daten ist es gelungen, eine sonst manuelle und aufwendige Tätigkeit auf effektive Weise zu implementieren. Die Mitarbeiter im Wareneingang werden in die Lage versetzt, sämtliche Daten innerhalb kurzer Zeit von den Gebinden zu extrahieren. Es ist nicht notwendig, die vielschichtige Materialkennzeichnung der unterschiedlichsten Hersteller zu erlernen. Gleichzeitig werden wir am Anfang der Prozesskette unserer Verantwortung gerecht, die Wünsche unserer Kunden nach einer Rückverfolgbarkeit bis auf die kleinste Produktebene zu gewährleisten. Die maschinelle Datenerfassung ist eine schnelle und zuverlässige Lösung", so Denis Hempel, Leiter Logistik Wareneingang/Warenausgang.

 

Traceability – Verbindung zum Bestückungsprozess

 

Im Bestückprozess wird die Unique-ID  jedes Bauelementgebindes während des Prozesses zur Rüstkontrolle an die Surface Mounted Devices (SMD)- Linien übertragen.  Den Seriennummern der bestückten Flachbaugruppen können so die verarbeiteten Unique-ID’s der Bauelementegebinde zugeordnet werden. Im Traceability-System für Baugruppen werden diese Unique-ID’s gespeichert und referenzieren auf die im Bauelemente-Traceabilitysystem abgelegten Daten zu den Bauelementen. 
Mit Hilfe dieser verknüpften Daten lässt sich der Ursprung eines Endproduktes über die gesamte Lieferkette bis hin zum einzelnen Bauelement zurückverfolgen.

 

Dabei ermöglicht diese Traceability-Kette die Fehlersuche in zwei Richtungen:

  • vom Endprodukt zurück zur Fehlerursache (Forward Tracking)
  • vom Fehler zum Endprodukt (Backward Tracking)

 

Alle technischen Eigenschaften der Bauelemente-Traceability:

  • Wareneingangsscanner Adodat 5000
  • 5 Megapixel Übersichtskamera
  • 5 Megapixel Detailkamera 
  • ADOMO Spiegelablenkeinheit
  • Erkennen und Auslesen aller 1D und 2D Barcodetypen
  • gleichzeitiges Erfassen von mehreren Labeln auf den Bauelementgebinden
  • kurze Zykluszeiten, circa 1 Sekunde pro Scanvorgang