FRAUEN IN TECHNISCHEN BERUFEN - GEFRAGT UND ERFOLGREICH - 02/2018

Auch heute gibt es sie noch – die typischen Frauen- und Männerberufe. Während Frauen besonders im sozialen Bereich und im Einzelhandel den überwiegenden Anteil der Beschäftigten ausmachen, stellen die Bau- und Transportwirtschaft typische Männerdomänen dar. Auch in der Industrie ist der Anteil der Frauen, die einen technischen Beruf erlernen, nach wie vor sehr gering.

 

So beläuft sich beispielsweise die Quote der Frauen, die eine Ausbildung als Elektroniker für Betriebstechnik erfolgreich abschließen, auf gerade einmal vier Prozent. Ob es begründete Argumente gibt, warum technische Berufe nur sehr selten von Frauen erlernt werden, haben wir Jaimee Gröbl im Interview gefragt. Die 20-jährige hat vor kurzem ihre Ausbildung als Elektroniker für Betriebstechnik bei Leesys – Leipzig Electronic Systems in Leipzig erfolgreich abgeschlossen und berichtet uns von ihren Erfahrungen als Frau in einem traditionell typischen Männerberuf.

Jaimee Gröbl gemeinsam mit Matthias Riese, Sylvia Schulze und Jörg Friedrich (v.l.) anlässlich der Unterzeichnung des unbefristeten Arbeitsvertrages

Hallo Jaimee, wie kam es dazu, dass du dich für eine Ausbildung als Elektroniker für Betriebstechnik entschlossen hast?

 

Während der Schulzeit habe ich aufgrund verschiedener Praktika Einblicke in unterschiedliche Berufe bekommen. Mein erstes Praktikum habe ich in der Lebensmittelindustrie gemacht. Anfänglich konnte ich mir vorstellen, meine Liebe zur Chemie zum Beruf zu machen. Während des Praktikums habe ich dann aber schnell festgestellt, dass mir diese Arbeit langfristig keinen Spaß machen wird. Deswegen habe ich ein weiteres Praktikum in einer ganz anderen Richtung absolviert und mich in der Elektrotechnik umgesehen. Das gefiel mir deutlich besser.

 

Und dieses hat dir dann so gut gefallen, dass du dich dann direkt auf eine Ausbildungsstelle beworben hast?

 

Ja, gemeinsam mit meinem Berufsberater habe ich mich umgeschaut, welcher Betrieb Lehrstellen im Bereich der Elektrotechnik anbietet. Er schlug mir eine Ausbildung als Elektroniker für Betriebstechnik vor und vermittelte mich an die Siemens Professional Education (SPE). Leesys bildet gemeinsam mit der Siemens Professional Education diesen Beruf aus.

 

Bist du also der Meinung, dass viel mehr Mädchen technische Ausbildungsberufe in Erwägung ziehen würden, wenn sie sich vorab intensiver mit deren Berufsbildern auseinandersetzen würden?

 

Das kann schon gut sein. Viele Mädchen haben vielleicht eine falsche oder auch gar keine Vorstellung von Berufen wie Werkzeugmechaniker, Mechatroniker oder Zerspanungsmechaniker und schließen diese deshalb kategorisch bei der Berufswahl aus.
Aber dazu gibt es die Zeit der Praktika während der Schulzeit und ich kann nur jedem Mädchen empfehlen, auch in technische Berufe reinzuschnuppern. Technik bedeutet Zukunft!

 

Gibt es aus deiner Sicht Gründe, warum Mädchen Vorteile in deinem Beruf gegenüber Jungen haben könnten?

 

In meinen Aufgaben kommt es häufig auf einen tausendstel Millimeter und ein ruhiges Händchen an. Dementsprechend genau und konzentriert muss man in dem Beruf arbeiten. Ich denke, dass einige Mädchen geduldiger bei filigranen Aufgaben sind als Jungen und entsprechend präziser arbeiten können. Aber grundsätzlich verallgemeinern möchte ich das auch nicht.

 

Wie ist die Ausbildung strukturiert und waren die Abschlussprüfungen für dich ein Problem?

 

Die Ausbildung dauert in der Regel 3 ½ Jahre. Der theoretische Unterricht findet in der Berufsschule der Siemens Professional Education (SPE) in Leipzig statt. Wenn man während der Schulzeit am Ball bleibt und sich für den Stoff interessiert, stellen die Abschlussprüfungen kein großes Problem dar. Bei Leesys wird man im  praktischen Teil zudem sehr gut auf die Prüfungen vorbereitet.

 

Du wurdest im Anschluss an deine Ausbildung im Januar 2018 von Leesys übernommen. Wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus? 

 

Ich fühle mich bei Leesys sehr wohl, da ich mich mit allen Kollegen gut verstehe und ich möchte Praxiserfahrungen im Betrieb sammeln. Berufsbegleitend plane ich ab dem Herbst 2018 ein Studium als Bachelor für Engineering. Das ist eine große Herausforderung, aber ich bin jung und möchte noch einiges erreichen.

 

Vielen Dank für das sehr interessante Gespräch. Gibt es noch etwas, was du unseren Lesern und besonders Leserinnen mit auf den Weg geben willst?

 

Wie bereits gesagt, Mädchen kann ich empfehlen, dass sie sich auch mit technischen Berufen stärker auseinandersetzen und am besten praktische Erfahrungen sammeln. Dies geht natürlich in Form eines Praktikums oder auch während der „Girls Day“. Ich bin auf jeden Fall mit dem von mir eingeschlagenen Weg sehr glücklich und würde mich sicherlich über mehr weibliche Kollegen in meinem Beruf freuen.